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Über diese Seite

Streisand

Warum diese Seite? – Zum einen, weil ich etwas den „Streisand Effekt“ verstärken wollte. Zum anderen. weil mir die Reaktion der Kirchenvertreter und die mediale Aufnahme auf den Zeiger ging.
Sind wir mal ehrlich – wegen eines popligen Instagramm-Videos. wären die Kieler nicht in Scharen aus der Kirche ausgetreten. Aber nun – Spiegel, Morgenpost, Bild – alle berichten darüber.

Und was ist nun der Aufreger? Ein langweiliger Verwaltungsakt, der 20 Euro-Gebühr kostet. Ein Häkchen in den Daten beim Einwohnermeldeamt.

Ich bin sicherlich nicht neutral – aber mal ehrlich, wenn wer zum Amt geht und seinen Austritt aus der Kirche erklärt, dann ist dier Entscheidung schon längst gefallen. Der Verwaltungsakt ist nur noch formaler Natur. Das Standesamt spielt nicht die Rolle, da dem Bürger irgendwie ins Gewissen zu reden oder ihn irgendwie zu beeinflussen. Das ist ähnlich wie ein Umzug von der Meierstraße 15 in die Müllerstraße 30 – man meldet seinen Umzug an – hat aber den neuen Mietvertrag schon längst unterschrieben und ist sogar schon umgezogen. Ähnlich ist das beim Kirchenaustritt – man ist schon längst weitergezogen – nur eben weltanschaulich.

Wenn ich das mal so sagen darf – es ist überhaupt nicht die Rolle der Kirchen, sich darüber aufzuregen, wie es der Stadt, die diesen Verwaltungsakt anbieten MUSS, Vorhaltungen zu machen. Wenn Menschen aus der Kirche austreten wollen, dann sollte das barrierefrei, niederschwellig angeboten werden. So wie man eben seine neue Adresse anmeldet, wenn man umgezogen ist. Dass die Kirche sich da auf die Hinterbeine stellt, ist ihrer Rolle nicht angemessen – insbesondere, weil der Beitritt der meisten Mitglieder ohne deren Zustimmung per Taufe erfolgt. Man bekommt da quasi von seinen Eltern eine Mitgliedschaft aufgedrückt und die muss formal weder bei Eintritt der Religionsmündigkeit (14) oder Volljährigkeit (18) oder bei Eintritt der Steuerpflicht (zu versteuerndess EInkommen) bestätig werden. Die Mitgliedschaft ist einfach da.

Gut, dass es „nur“ eines einfachen Verwaltungsaktes bedarf, der nur 20 Euro kostet und den man auch per Video-Termin vollziehen kann – so wie übrigens auch Kontoeröffnungen und vieles mehr. Teile der kirchlichen Konzepte stammen ja aus der Bronzezeit und dann ist es vielleicht zu erwarten, dass Kirche und Digitalisierung etwas kollidieren. Andererseits experimentieren die Kirchen auch mit moderner Technik. Seelsorge mit KI-Unterstützung, Bibel-Apps und flotte Influencer, die Menschen die „göttliche Ordnung“ (irgendwas mit „Der Mann ist das Haupt“…) erklären oder warum Frauen im katholischen Priesteramt nix zu suchen haben oder wie die Transsubstantion funktioniert auf Youtube, gespickt mit Jugendsprache aus den 90ern – ja, die Kirchen können auch „modern“. Aber „Online Austreten“ – also statt persönlich gegenüber sitzen per Webcam gegeübersitzen. Da geht ein Aufschrei und Empörung durch die frommen Reihen. Und dabei gibt es extra Videokonferenzen für Kirchen auch bei der EKD mit „Easiymeet„.

Also ganz hinter dem Mond lebt man da nicht . ABER man ist „empört“, wenn denn in Deutschland mal die Digitalisierung voranschreitet. Also fördern wir doch mal ein wenig den Streisand-Effekt und stoßen Leute mit der Nase darauf, dass sie tun können, was sie wollen, wenn sie sich entscheiden, aus der Kirche auszutreten.

Wann und warúm ich denke, dass das sinnvoll sein kann, werde ich auf anderen Seiten noch genauer beschreiben.