
Einfach Online
Wie in den vielfach Medien berichtet, kann der Austritt aus der Kirche in Kiel jetzt einfach online erfolgen. Digitalisierung hat ihre Vorzüge!

Damit keine Verwirrung entsteht – dies ist KEINE offizielle Seite der Stadt Kiel. Es ist ein satirisches Projekt. Man kann tatsächlich „online“ aus der Kirche austreten – wie das geht, das findet man auf der Seite der Stadt Kiel. So wie ich das verstanden habe, vereinbart man einen Termin für ein Online-Meeting und kann dann den Austritt im Zuge des Meetings rechtswirksam erklären. Das Ganze kostet (wenn ich das richtig gelesen habe) 20 Euro. Auch das Kunden-Feedback weiter unten ist Satire – ich hoffe das erkennt man bereits an den Namen der Leute. Aber man kann wohl nicht genug darauf hinweisen, dass das satirische Elemente sind.
Ich habe selbst viele Jahre einen „Online-Enttaufungs-Service“ angeboten – so schön mit Zertifikat und so. Ist also nicht mein erstes satirisches Projekt in diesem Umfeld. In dem Zusammenhang gab es auch einen hübschen Fön – als „professioneller Enttaufer“, den „De-Baptize-Professional“. Mittlerweile hat ein „Kollege“ von AWQ den Service übernommen. Wer Spaß an sowas hat – nur zu.
Der Streisand Effekt
Wer diesen Ausdruck nicht kennt, hier ist er kurz erklärt: Ein Journalist fotografierte das Haus von Barbara Streisand und veröffentlichte das Bild an einer relativ unbedeutenden Stelle. Barbara Streisand war so wenig begeistert, dass sie Anwälte einschaltete. Dies hatte zur Folge, dass mehr Zeitungen die Story aufnahmen und am Ende fast alle wussten, wie das Haus von Barabara Streisand aussieht.
in diesem Fall ist das ähnlich. Die Stadt Kiel hatte ein kleines, eher unbedeutendes Instagram-Video veröffentlicht und darin über die Möglichkeit der Digitalisierung aufgeklärt – am Beispiel des Kirchen-Austritts. Das hat aber den Zorn erregt. Das ginge ja gar nicht, dass man als Stadt für den Kirchenaustritt werbe – und nun haben wir den Salat. Zeitungen und Online-Portale berichten überregional über die Möglichkeit des Online Kirchen-Austritts – so auch diese Seite.
Das nennt man den „Streisand-Effekt“. Putzig, nicht?

“Das war schön einfach. Nette Leute. Termin vereinbart, Online Meeting gestartet – dass die Stadt Kiel das anbietet – einfach toll.“
Renate Granate

“Für mich war das lange überfällig. Die Stadt Kiel hat mich mit ihrem neuen digitalen Angebot voll begeistert. Ein guter Tag! ”
Hein Daddel

“Ich war nur noch aus Trägheit Mitglied der Kirche. Ich kann ja glauben, was ich will – oder eben auch nicht.”
Karola Krabbenpuhl

Warum Austreten
Viele Menschen reden nicht gerne offen darüber, warum sie austreten. Einige trauen sich nicht offen darüber zu reden, dass sie einfach nicht an die Kern-Dogmen der Kirche glauben. Einige sind „Folklore Christen“, die die Rituale nett finden, aber mit den Inhalten nicht wirklich etwas anfangen können. Andere geben an, wegen der Kirchensteuer austreten zu wollen.
Kirche und Moral
Wird man ein unmoralischer Mensch, wenn man aus der Kirche austritt oder ist es im Gegensatz so, dass man eigenverantwortlicher wird, wenn man sich von anachronistischen Schriften und den Versuchen zeitgenössischer Interpretationen abwendet? Die Kirchen beanspruchen doch der Hort und Vermittler unverzichtbarer Werte zu sein

Was kommt nach dem Austritt?
Einen Austritt kann man feiern, denn man hat einen Schritt in Richtung Eigenverantwortlichkeit getan. Es kann ein wichtiger Schritt der Emanzipation sein – für andere ist es langweiliger Verwaltungsakt. Doch was erwartet einem nach dem Austritt?